Syrischer Flüchtling Samir enttäuscht, dass er auf den Bildschirmen in seiner Unterkunft, dem ehemaligen Frankfurter Börsengebäude, nicht Al Dschasira schauen kann

Der 47-jährige Samir Al Zeno, der aus der syrischen Stadt Aleppo über das Mittelmeer nach Deutschland flüchtete, war erstaunt über die 20 Meter langen Flachbildschirme in seinem Erstauffanglager in der Frankfurter Innenstadt. »Von Freunden hörte ich, dass man als Flüchtling froh sein muss wenn man ein Handtuch bekommt.«

Vor einigen Tagen war der elektronische Handel mit Anteilen an Konzernen wie BASF, Siemens, BMW und HeidelbergCement unrentabel geworden. Inhaber von Aktien, Asset Backed Securities und Credit Default Swap hatten bis zu 50 Billionen Euro verloren. Der Aktienhandel wurde ausgesetzt und die Trader hatten den Handelssaal der Börse Frankfurt verlassen. Der Oberbürgermeister der Mainmetropole, Peter Feldmann, reagierte sofort auf das Börsenende: »Ein denkmalgeschütztes Gebäude von 1879 im Stil der Neurenaissance, mit modernster technischer Ausstattung muss umgehend wieder einem gesellschaftsdienlichen Verwendungszweck zugeführt werden.« Nach Rücksprache mit dem Amt für Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) deklarierten die Behörden das Bauwerk als Erstauffanglager für 279 Flüchtlinge.

Im Erstauffanglager der ehemaligen Frankfurter Börse schaltet das Licht-Programm nachts auf »Smooth ambient oriental relax«. Die Flüchtlinge schlafen (auf dem Foto nicht sichtbar) in den runden Arealen unter den Monitoren

Im Erstauffanglager der ehemaligen Frankfurter Börse schaltet das Licht-Programm nachts auf »Smooth ambient oriental relax«. Die Flüchtlinge schlafen (auf dem Foto nicht sichtbar) in den runden Arealen unter den Monitoren, damit der Parkettboden poliert werden kann

 

Der gelernte Brückenbauingenieur Samir freute sich bei seiner Ankunft über die Ausstattung in dem Auffanglager. Er schlief auf Parkettboden und nutzte Toiletten ohne Anstehen. »Egal an welcher Stelle des Saales ich mich befand, ich hatte immer einen freien Blick auf einen der Monitore.« Als die Bildschirme aber tagelang schwarz blieben, wurde seine Hoffnung den TV-Sender Al Jazeera (الجزيرة) sehen zu können enttäuscht. Einige Bewohner fragten den Hausmeister, der die Metalltafeln mit dem Logo »Börse Frankfurt« abschraubte, wie man die Fernseher anschalten könne und ob es eine Fernbedienung gebe. Samir erinnert sich genau, was der für die Haustechnik Zuständige darauf antwortete: »They can only numbers … such lines… real time course of DAX, nix Fernseh.«