Browser-Plugin »ContentBlocker Plus« blockiert nervigen redaktionellen Content zu 99,98%

BildOnline nannte ihn einen »passionierten Internetnutzer« und den ersten »BrowserTabKing«. Johannes Witte aus Quedlinburg. Der 67-jährige Digital Incurred sitzt vor seiner Browsing-Station. Drei zusammengeschalteten Apple Thunderbolt 27″ Displays. Beim Browsern, wie er seine Tätigkeit nennt, switch er in weniger als neun Sekunden durch sieben geöffnete Browser mit je 18 Tabs. »Die Chance auf das Superklickschnäpchen ist real«, sagt der ambitionierte Klicker. Der gelernte Landschaftsgärtner wird nachdenklich, wenn es um das Thema Content geht. Von qualitätsjournalistischen Beiträgen auf Leitmedien wie spiegel.de und zeit.de über die Kaufpreisentwicklung für FIFA-Weltmeisterschaften, krebserregendes rotes Fleisch und den wirtschaftlichen Aufschwung von Flüchtlingszeltherstellern fühlt er sich zusehends penetriert. »Ich gehe online, um mich über das Lottospielen um 1,5 Millionen zu informieren, oder um mir das 2 für 1 Hemdenangebot von wallbusch zu sichern. Gerne lasse ich mir vom MediaMarkt sagen: ‚Hauptsache ihr habt Spass‘. Der redaktionelle Text-, Bild-, und Video-Content über Al Weiweis Festnahme-Freilassungs Hin und Her, das Summenmärchen 2006 und das Flüchtlings-Hickkack ‚Wir schaffen das! Wir schaffen das nicht! Wir schaffen das!‘ geht mir voll auf den Sack.«

Johannes Witte whatsappt mit einem Ex-Kollegen, der fit mit dem Computer ist. Nach einigem Hin und Her steht die erste Version eines Contentblockers für Chrome. Er blockt redaktionellen Content. Nach Angaben der Macher mit einer Zuverlässigkeit von 99,98%. Die Content-Verweigerer verzeichnen 100.000 Downloads im ersten Monat. Bekommen Zuspruch vom Verband der Online-Konsumenten e.V.. »Welcher Teil einer Website Content und welcher Werbung ist, ist stark nutzerperspektivenabhängig«, heisst es in der Beschreibung des Browser-Plugins.

Verbesserungswürdig. Die redaktionelle Ressort-Headline-Spalte »Politik« wird noch nicht gefiltert.

 

Mit dem Erfolg des Plugins kommt die Verstärkung. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW e.V. solidarisiert sich mit den Aktivisten. Zusammen entwickeln sie die nächste Version des Plugins und nennen es »ContentBlocker Plus«. Nach nur einer Woche im Firefox AddOns-Store gab es es über eine Millionen Downloads. Axel Springer klagt gegen das Plugin. Erfolglos. Über die Whistle-Bowler Plattform »AdLeaks« wird bekannt, dass Axel Springer das Plugin mitfinanziert, aber auf eigenen Seiten, wie bild.de sich der Blocker automatisch abstellt und journalistische Artikel anzeigt. Der erste Rückschlag für das junge Startup-Projekt. Bis heute hat sich der Skandal nicht auf die Beliebtheit des Content-Blockers ausgewirkt. Im Gegenteil. Branchengrössen wie das Magazin »Werben und Verkaufen« berichten über die Content-Blocking-Bewegung. Die Kölner Advertising Agentur »Klicksklaven« steigt in die Weiterentwicklung des Plugins ein.

Nach dem Klick auf nur drei Sponsorenlinks erscheint der Link zum kostenlosen Download des Plugins. Bald soll auch eine App für iOS, Android und Window Mobile folgen. Diese verfügt über einen eigenen Browser, der Content zu 100% filtert. Auf einer australischen Website ist ein Plugin für das ContentBlocker Plus aufgetaucht, mit dem sich Content-White-Filter definieren lassen, wie etwa »cat-content«, »food-porn« und »milf-images«.

Konsumentenschützer loben das AddOn, das Onlineshoppern und auf Conversionrate-Junkies ermöglicht, sich vor störenden Lügenpressenbeiträgen zu schützen und ausschliesslich unabhängige Produktempfehlungen im Viewport ihres Browsern zeigt.

Der Urvater der Content-Blockingbewegung, Johannes Witte, sagte gegenüber Bisambiss.de: »Egal wie viel Druck wir von der System- und Chaospresse bekommen. Wir machen unseren Content-Blocker noch schärfer. Es kann einfach nicht sein, dass sich zwischen einem Skycraper von Sixt, einem MaxiAd von Eurowings ein als Side Kick Ad formatierter redaktioneller Beitrag von Zeit-Redakteur Patrick Beuth befindet, über die mafiösen Deals zwischen den AdBlockPlus-Machern und der digitalen Werbeindustrie.«